Interview mit Michael Hasel

Im dritten Teil unserer Interviewreihe "Meet the Artist" sprechen wir mit Michael Hasel, Flötist, Dirigent und Mitglied der Berliner Philharmoniker sowie des Philharmonischen Bläserquintetts Berlin.

 

Michael Hasel, Berliner Philharmoniker

1. Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Musik studiert hätten?

Während meiner Schulzeit habe ich mich sehr für Naturwissenschaften, insbesondere Physik und Chemie, interessiert. Aber eine Karriere als Wissenschaftler im Labor oder als Lehrer in der Schule fand ich dann doch nicht so spannend wie die Perspektive, vielleicht einmal als Künstler auf der Bühne im Konzertsaal arbeiten zu dürfen.

2. Welches war das beste Konzert-Erlebnis, an das Sie sich erinnern können? 

Mein erstes Konzert - ich hatte gerade das Probespiel gewonnen und war als Aushilfe eingeladen - mit den Berliner Philharmonikern, die ich vorher noch nie live gehört hatte, unter Herbert von Karajan mit "Eine Alpensinfonie" von R. Strauss. Trotz einiger Jahre Orchestererfahrung in anderen Orchestern ein unvergesslicher, spannender Klang- und Perfektionsrausch!

3. Was ist das wichtigste Talent, das ein Musiker haben muss?

Disziplin - für den stetigen Kampf, den Anspruch an alle Aspekte des eigenen Musizierens stets auf höchstem Niveau zu halten.

4. Von welchem Lehrer haben Sie am meisten gelernt?

Meinem zweiten Flötenlehrer Willy Schmidt verdanke ich sehr viel. Er war einfach ein echter Musikant mit einer wunderbaren Mischung aus intuitiver Musikalität, solidem Handwerk, musikalischer Intelligenz, großem Herzen und Freude an der Musik. Er hatte eine unglaubliche Bandbreite an musikalischer Erfahrung: vom Pianisten im Kino (noch zu Stummfilmzeiten!), Unterhaltungs- und Tanzmusiker bis zum Soloflötisten, erst in der Oper, dann in einem renommierten Rundfunk-Sinfonieorchester. Er hat mir nie einen "richtigen" Unterricht gegeben, wir haben einfach viel geredet, gegessen, getrunken und zusammen musiziert, in allen möglichen Konstellationen: zwei Flöten, Flöte-Klavier, ich an der Flöte, er am Klavier und umgekehrt, viel Klavier vierhändig.

5. Wenn Sie selbst unterrichten, was ist Ihnen mit am wichtigsten, was Sie Ihren Schülern vermitteln/weitergeben möchten?

Respekt gegenüber dem zu interpretierenden Werk und Komponisten. Das umfasst nicht nur die eigene, skrupulös selbstkritische, spieltechnische Vorbereitung und genaueste Partiturkenntnis, sondern vor allem auch jedes Hintergrundwissen zu Stil, Aufführungspraxis und historischen Gegebenheiten des in Frage stehenden Werks.

6. Welches Stück können Sie immer wieder spielen/hören, welches haben Sie schon zu oft gespielt/gehört?

Alles von Josef Haydn und J.S. und C.P.E. Bach - einfach immer wieder geniale, überraschende, ergreifende, handwerklich unglaublich gut komponierte Musik. Große Meisterwerke wie 2. Brahms und 7. Beethoven hat man im Laufe von fast 40 Jahren als Orchestermusiker leider einfach zu oft gespielt, da braucht es dann einen wirklich inspirierenden Dirigenten...

7. In welchem Konzertsaal spielen Sie am liebsten?

Vielleicht banal, aber selbst nach so langer Zeit immer noch: Die Berliner Philharmonie und deren Kammermusiksaal

8. Mit welchem Orchester musizieren Sie am liebsten?

Als Flötist natürlich mit den Berliner Philharmonikern. Als Dirigent mit dem Orchester, das gerade vor mir sitzt.

9. Welcher Komponist sollte Ihnen ein Stück schreiben? Was für eines wäre das?

Kalevi Aho! Er hat schon ein großartiges Quintett für unser Philharmonisches Bläserquintett geschrieben. Vielleicht kann ich ihn jetzt überreden, ein Stück für mein Hammerclavier oder mein neues wunderbares Clavichord (von Andreas Hermert) zu komponieren.

Vielen Dank, Michael Hasel!